Veni Etiam – Alex Hai beeindruckt mit Kurzfilm in Venedig

„Liebe siegt heute“

Alex Hai mit seiner Ansprache am 08.09.2022, im Hotel Excelsior, im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig

Guten Tag an alle und vielen Dank an die Organisatoren und Gäste für ihre Anwesenheit.
Am 17. Oktober 2019 wurde meine Gondel beschlagnahmt und damit war ein ganzes Leben in Venedig voller Liebe, Leidenschaft und Pflicht in einem Augenblick vorbei, also dachte ich mir, ich mache einen Film mit Stücken, die bereits 2012 und 2014 gefilmt wurden, und zusätzlich, kurz bevor ich Venedig verließ, ein paar neue Filmaufnahmen.

„Veni Etiam“ entstand auf diese Weise in der Postproduktion, mit verschiedenen unvollständigen Materialien von verschiedenen Besitzern, diese habe ich gemischt, um eine sehr abenteuerliche Idee zu verfolgen.
Wenn der Zuschauer die Spur einer Gondelfahrt verfolgt und den Protagonisten sozusagen sympathisch findet, aber am Ende des Films erfährt, dass diese Person transgender ist, dann bleibt keine Zeit und kein Raum mehr diese Person zu hassen, oder doch?

Ein weiterer wichtiger Aspekt für mich war die Gondel selbst, die androgyn ist, weil sie von Natur aus asymmetrisch ist, ein großartiges Boot. Ich wollte ihm eine Stimme geben.

Transgender zu sein ist keine Modeerscheinung, wie manche Leute denken, denn in letzter Zeit ist es ein heißes Thema geworden. Es gab sie schon immer in der Geschichte der Menschheit.

Die Transition ist kein Zuckerschlecken, und während des Übergangs gibt es eine Phase von 2 bis 5 Jahren, in der die Person vor allem körperlich seltsam erscheint, der Körper verändert sich, die Stimme verändert sich, die Haut, die Knochen und so weiter. Um die Tatsache einer Transition zu verbergen, sollte man sich zwei bis fünf Jahre lang von der Arbeit und der Gesellschaft fern halten, aber wer kann sich das schon leisten? Und warum? Nur wegen der Ablehnung der Gesellschaft?

Im Fall von Cloe Bianco, einer italienischen Lehrerin, war es so: Sie ging noch in der Transition zur Arbeit, zu früh in Anführungsstrichen und wurde von den Erwachsenen diskriminiert und als „Mann im Rock“ bezeichnet. Sie verlor daraufhin ihren Arbeitsplatz, ihre Existenz und ihre Würde und nahm sich das Leben – Liebe siegt heute, danke.

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